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August 2006

Japanische Wurfwaffen


Bereits seit alters her waren Wurfgeschosse Bestandteil der kriegerischen Ausrüstung in allen Gesellschaftsformen und Erdteilen. Bekannt geworden sind die Bolas Südamerikas, die Wurfmesser der Afrikaner oder die Bumerangs der australischen Ureinwohner.
Auch in Japan hat diese Waffenform schon eine sehr lange Tradition.
Bereits in den Analen der japanischer Frühgeschichte, dem Kojiki (Shintoistische Mythen) und dem Nihon Shoki (Japanische Berichte der Frühzeit), wird von der Verwendung erster primitiver Wurfwaffen durch Krieger berichtet. Die ältesten bekannten Geschosse waren, wie wahrscheinlich überall in der Welt, herkömmliche Steine (Inji), welche in Japan durch spezielle Schleudern (Honda) eine höhere Reichweite und höhere Durchschlagskraft erhielten, als mit der Hand geworfene Kiesel. Auch im antike Europa, dem vorderen Orient und anderen Regionen der Welt war diese Art von Wurfwaffe sehr verbreitet. Neben diesen Steinschleudern tauchte ein Wurfpfeil (Uchi ne) als eine der ersten wirklichen Wurf- waffen in Japan auf. Seine Verbreitung war sicher sehr begrenzt, war seine Effektivität auf dem Schlachtfeld wohl mehr als fraglich. Sein Einsatz lag wohl eher in der Verteidigung von Haus und Hof und konnte ebensogut von Frauen wie von Männern eingesetzt werden (so auch sein Name Uchi ne - Innen Pfeil). Rein äußerlich glich er in Länge und Aussehen einem sehr starken, stabilen Pfeil, wie man ihn auch zum Bogenschießen benutzt. Schaft, Pfeilspitze uns sogar aus Holz gefertigte Federn bezeugten die eigentliche Herkunft dieser Waffe. Man weiß , daß er teils mit einer Schnur eingesetzt wurde, die Handgelenk des Werfers und Waffe verband, um den Pfeil nach Gebrauch schneller wieder zurückzuholen.
Natürlich konnten sich diese kleinen Wurfgeschosse im Kriegshandwerk nicht gegen Fernwaffen wie Pfeil und Bogen durchsetzen.
Steinschleudern haben sich nur innerhalb des gewöhnlichen Volkes bis ins hohe Mittelalter erhalten, welche sie vor allem zur Vogeljagd einsetzten, wie man dies auf alten japanischen Illustrationen beobachten kann.

Erst ab dem 17. Jhdt. konnte sich eine neue Waffenform etablieren. Diese Version der Wurfwaffen, welche im Westen vor allen durch die Anhänger des Nin jutsu bekannt wurde, war der Shuriken (Handschwert).
Die ersten Ryu, welche nun den Umgang mit den neuen, eisernen Klingen trainierten stammten aus dem 14. Jhdt. Dennoch, die eigentliche Blütezeit dieser Waffe begann erst mit der friedlicheren Tokugawa-Epoche, als viele Kampfstile vom Schlachtfeld zur Selbstverteidigung wechselten. Ungepanzerte Gegner und der Einsatz vieler kleinerer Waffenformen im alltäglichen Gebrauch erleichterten dem Shuriken seine Verbreitung unter den Kriegern. Viele große Schulen, wie die Katori shinto-, die Kage- oder die Yagyu ryu führten die Techniken des Klingenwerfens in ihr Repertoire ein. Trotzdem blieben die Geheimnisse des Shuriken nur wenigen Ausübenden offen. Da die Lehre der Wurfeisen innerhalb der Schulen als Geheimlehre eingestuft wurde, blieb die Kentniss in deren Umgang meist nur wenigen Schülern vorbehalten. Der Vorteil dieser Waffe bestand vor allem beim Einsatz von Überraschungsangriffen, ihrem geringen Gewicht und damit verbundenen, mit dem versteckten Tragen in der Alltagskleidung. Der Träger dieser Waffe war primär nicht als solcher zu erkennen. Allgemein trug man mehrere dieser Klingen im Aufschlag der Kleidung oder im Obi verborgen, es sind aber auch Varianten des Tragens im verstärkten Rückenteil der Hakama (Koshiita) überliefert Negishi ryu. Sogar im Kopfhaar sind Shuriken verborgen worden, wie man es von einem Samurai namens Katono Izu überliefert. Aus diesem Grund und der Tatsache des schnellen Einsatzes auf Distanz geriet der Shuriken, ebenso wie etwa die Kusari gama, in einen etwas negativen Ruf. Das ungeschriebene Gesetz des "ehrlichen", traditionellen Kampfes mit Speer, Schwert und Bogen verleitete viele Bushi dazu, die Effektivität dieser Waffe zu Gunsten Ruf und Ruhm zu opfern.

Die Japaner entwickelten mit der Zeit eine Vielzahl von verschiedenen Formen und Arten von Wurfeisen, Pfeilen oder Sternen. Die meisten traditionellen Schulen spezialisierten sich jedoch auf einige, wenige Formen von Shuriken, wobei im allgemeinen Wurfklingen in Form von Pfeilen oder Spitzen eindeutig der Vorzug gegeben wurde. Andere exotische Varianten, wie man sie heute kennt und kaufen kann, z.B. Sterne mit geflammten Klingen oder phantastischen Durchbrüchen entstammen eher dem Hirn eines modernen Designers als dem Arsenal einer historischen Ryu.
Die Eigenschaften eines Shuriken war vornehmlich von folgenden Fragen abhängig: "Auf welche Distanz muß ich werfen, wie weit ist das Auftreffen einer Spitze gewährleistet (bei Sternen), welche Möglichkeit habe ich die Waffe zu greifen und zu werfen?" Daraus resultierte endgültig die Entwicklung zu den heute bekannten traditionellen Wurfklingen, egal ob als Pfeil oder in Sternform in den verschiedensten Durchmessern und Schliffarten. So ist die Trefferchance eines Achtseitigen Wurfeisens, vor allem bei wechselnden Distanzen, deutlich höher als etwa bei einem rotierenden Pfeil, welcher im unglücklichsten Fall auch mit der Seite am Ziel aufschlagen kann.
Die gebräuchlichsten Arten waren :

Shuriken:

(Handschwert) Eisenpfeile oder Nadeln von durchschnittlich 9-12 cm Länge mit verschiedenen Querschnitten (die Shirai ryu von Toro Yoshikane benutzt jedoch auch Klingen von 25 cm Länge). Gebräuchlich waren runde, 4-, 6- oder 8-kantige Formen, welche ein oder beidseitig geschliffen waren.


Jyuji shuriken:
(Kreuzförmiger Shuriken), kreuzförmig miteinander verbundene, an allen vier Seiten angeschliffenen Spitzen. Diese Art war Bestandteil der Ausbildung in der Yagyu ryu. Geworfen wurde diese Form vornehmlich vertikal.


Tanto gata shuriken:(Dolchförmiger Shuriken), in gerader Tanto-Klingenform, auch mit Quaste zur Flugstabilisierung. z.B. Shosho ryu


Happo shuriken:(Achtseitiger Shuriken), ähnlich dem Jyuji shuriken aber mit acht statt vier Spitzen.


Sha ken / Kuruma ken:(Radförmiges Schwert) rechteckige Wurfscheibe mit vier teils auch ausladenden Spitzen.


Hishi gata shuriken:(Rombusförmiger Shuriken) identisch dem Sha ken nur in rombenförmigen Stil.


Letztere beiden Arten sollen das Muster von Münzen als Vorbild haben. Mit einem Loch in der Mitte versehen waren die ersten, bekannten Varianten nicht quadratisch sondern in Rombenform.
Auch von den am weitest verbreiteten Wurfspitzen gab es mehrere Varianten:
Die Katori shinto ryu bevorzugte z.B. gerade Pfeile mit achteckigem Durchmesser, ebenso die Jikishin- und Shindo ryu, deren Klingen von der Form allerdings an Donnerkeile erinnerten. Ein Shuriken dieser Machart besaß einen natürlichen Schwerpunkt, was das gerade Werfen wesentlich positiv beeinflußte und den Umgang mit dieser Waffe so etwas unproblematischer machte. Gerade, dünne Pfeile mit rundem Durchmesser waren wiederum Besonderheiten der Itto und Shirai ryu. So pflegte jede Kampfschule ihre eigenen Geheimnisse in Technik und Herstellung der Shuriken.
Öfters nimmt man an, daß Wurfeisen ausschließlich Waffen des Ninja-Arsenals wären, und weniger von Bushi verwendet wurden. Die Kunst des Nin jutsu war aber nicht nur die Lehre weniger, separater Geheimbünde. Nin jutsu, "die Technik des Verborgenen", war im frühen Mittelalter vorrangig eine Methode der Spionage und der Feindbeobachtung, ähnlich der Fernaufklärungseinheiten moderner Armeen. In diesem Zusammenhang nahmen viele traditionellen Kampfschulen, welche unter anderem auch Taktik und Befestigungslehre unterrichteten Nin jutsu in ihr Ausbildungsprogramm auf. Die Aufgabe einer Ryu bestanden darin, die Bushi bestmöglich auf ihren Beruf als Krieger vorzubereiten und das Training somit weitgefächert und effektiv zu gestalten. Nin- und Shuriken jutsu waren so unter den Kriegern durchaus bekannte Systeme, auch wenn sie nie so verbreitet waren wie der Schwertkampf oder das Bogenschießen.

Shin gata shuriken:(Nadelförmiger Shuriken),
5 - 10mm Durchmesser und bis 18cm Länge, meist beidseitig spitz

Kugi gata shuriken:(Nagelförmiger Shuriken),
ähnlich dem Shin gata Form, jedoch nur einseitig spitz


Hoko gata shuriken:(Lanzenförmiger Shuriken),
bis 20cm Länge, mit einer Spitze wie ein Speer


Matsuba gata shuriken:(Kiefernadel Shuriken),
in Form einer "Krampe"


Die Kunst des Klingenwerfens enthielt mehrere wichtige Gesichtspunkte und Trainingsmethoden, jeweils auf verschiedene simulierte Situation einer Gefahrensituation zugeschnitten. Eine Art, die Tojutsu Heiyo no Kata der Negishi ryu war ein Übungsbeispiel, in dem die Bushi Schwert und Shuriken gleichzeitig handhabten. Aus einer eingenommenen Kampfstellung (Kamae) mit dem Schwert wurden die Pfeile geworfen, ohne daß sich der Krieger durch unkontrollierte Bewegungen mit der Klinge in eine ungeschützte Situation begab. Bei jedem Wurf mußte er seine Schwerthaltung verändern und ständig in Bereitschaft sein, daß Schwert als eigentliche Waffe zu benutzen. Eine andere Methode, das Haya uchi, umfaßte das schnelle Werfen mehrerer Shuriken in kürzester Zeit. Bis zu 5 Eisen mußte der Übende über eine Entfernung von mehreren Metern ins Ziel bringen.
Hauptzielpunkte im Shuriken jutsu waren vor allem Gesicht, Fußknöchel und Hände eines Gegners, weshalb vor allem auf das gezielte Werfen besonderer Wert gelegt wurde. Eine Theorie besagt, daß diese Zielpunkte durch die Kleidung der Japaner in historischen Zeiten beeinflußt wurden. Während Füße und Beine nur durch dünne Hakama oder Tabi geschützt waren, war es durchaus üblich in kälteren Zeiten mehrere Überkimono zu tragen. Der Einsatz der Wurfklingen galt primär nicht dem Töten eines Gegners, sondern seiner Einschränkung im Kampf durch Verletzungen an ungeschützten Körperteilen. Ein Rumpftreffer konnte durch dicke Kleidung oder Panzerungen abgeschwächt oder gar unwirksam werden, ein Treffer der Hände oder Füße konnte jedoch verhindern, daß er seine Hauptwaffe voll einsetzen konnte oder seine Beweglichkeit eingeschränkt wurde - nun war man in der Lage seinen Gegner mit dem Schwert zu töten. Der Effekt dieser Formen lag so mehr in Ablenkungsmanövern, um den Feind dann mit den eigentlichen großen Klingenwaffen, wie Schwert oder Speer, zu überwältigen. (Saito - Negishi ryu)

Im Trainingsbetrieb galt eine Scheibe aus weichem Holz oder besser noch aus einem Stück alter Tatami, also Reisstroh, als Ziel. Die Wurfdistanzen wurden je nach Stil und persönlicher Leistung gewählt. Im Shuriken jutsu gab es eigentlich keine dogmatischen, genormten Waffen. Jeder Krieger besaß eigene Wufpfeile, die auf seine Fähigkeiten, Gewicht und Größe angepaßt waren. Einige Schulen sahen im Umgang mit dem Shuriken sogar nur eine Übungsform, um im Ernstfall auf dem Schlachtfeld ein Messer oder Ähnliches einzusetzen.

                      
                       oben: Hishi gata, Kuruma, Happo gata, Jyuji
                       unten: Matsuba, Hoko, Shin gata, Kugi gata, Tanto gata, Shuriken
 
 Je nach Art der Anwendung der Waffe unterschied man von Nageru (werfen) und Uchi
(schlagen) im Sinne von angreifen, attackieren. Auf kurze Distanzen konnte man Shuriken im direkten Wurf einsetzen, hingegen bei größeren Entfernungen stellte ein indirekter Wurf andere Ansprüche an Technik, Kamae und Waffenwahl des Ausführenden. Je nach der gewählten Distanz unterscheiden die Schulen zwischen Choku da / Jiki da (gerader Wurf), Hanten da (1/2 Drehung), Ikkaiten da (eine Drehung) und Takaiten da (mehrere Drehungen). Die übliche Wurfart war immer der direkte Wurf, also ohne eine während des Fluges rotierende Waffe. Allerdings hat dieser Stil den "Nachteil", daß seine Effektivität an einer Distanz von 5-6 m scheitert. Im Realfall war dies die grobe Grenze um eine Wurfklinge wirkungsvoll einzusetzen. Doch letztendlich war dies immer von der Kraft und Erfahrung des Werfenden abhängig. Die Wurfarten waren sehr vielseitig. Abgesehen von der Grundart des vertikalen Überkopfwurfes gab es auch horizontale oder sogar akrobatische Unterhandwürfe. Sogar aus Sitz und Kniepositionen sind Übungen für das Klingenwerfen entwickelt wurden.
Neben der verschiedenen Wurfarten spielte auch die Simulation einer realen Kampfsituation in der Ausbildung des Shuriken jutsu eine Rolle. Einige Formen bezogen sich auf das werfen in unterschiedlichen Rhythmen. Manji als einzelne Übungstechnik für Solowürfe und die Formen Toji und Jikishi mit 2er und 3er Rhythmus für eher praktische Anwendungen. Ähnliche praktische Hintergründe hatten Übungstechniken wie das Torimai oder das In yo arasoi welche das Werfen aus der Bewegung oder auf unterschiedliche Ziele simulierten.
Im Allgemeinen fand diese Waffe jedoch eher im Bereich der Selbstverteidigung oder beim Einsatz von Kommandounternehmen als auf dem realen Schlachtfeld Verwendung. Einige Shuriken-Experten sprechen sogar davon, daß die Eisenpfeile ursprünglich nur Übungsgeräte waren, welche den Krieger vorbereiten sollten jede ihm zur Verfügung stehende Waffe als Wurfgeschoß einzusetzen - vom "Eßstäbchen bis zum Schwert". So konnte man die Schwertbeimesser Kozuka und Kogai, mit welchen ab der Muromachi-Epoche die Langschwerter ausgestattet wurden, als Wurfpfeile einsetzen. Praktisch gab es keine Limits für die Wahl der Waffe. Es sind Geschichten überliefert, daß die Bushi fast alle Klingenwaffen, vom Dolch bis hin zum Schwert, in kritischen Situationen in der Art des Shuriken einsetzten, man denke nur an das Duell zwischen Miyamoto Musashi und Baiken Shishido, welches Musashi durch das Schleudern seines Kurzschwertes entschied. Doch wahrscheinlich blieb die Technik des Klingenwerfens immer nur einzelnen Individualisten vorbehalten.

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