Nukite Karate
Meister
Interessantes
System
Training
Lehrgänge
Kontakt
Partnerseiten

Free Counter

Dezember 2006

Kampffächer in Japan


     Obwohl fast alle, oder sagen wir viele japanische Kulturgüter den Entwicklungsweg vom Kontinent über China oder Korea nach Japan gegangen sind, war dies im Fall des Faltfächers eher umgekehrt. Fächer in all ihren Variationen waren in ganz Ostasien schon seit Jahrhunderten fester Bestandteil des täglichen Lebens. Männer wie Frauen trugen sie zu ihrer Alltagskleidung, ebenso wie sie Verwendung im Haushalt und im kulturellen Bereich, wie Tanz und Theater hatten.
     Laut einer alten japanischen Legende soll ein Fächermacher der Tenji Ära (661 -671) nach dem Vorbild des Fledermausflügels den ersten Faltfächer ( Ogi oder Sensu ) gefertigt haben. Um 900 soll er dann auch in China eingeführt und dort wie in seinem Heimatland vornehmlich von Hof und Adel benutzt worden sein. Bisher kannte man in Ostasien nur die Form des einfachen Blattfächers ( Uchiwa oder Dansen ).
     In Japan entwickelte man dann mit der Zeit aus den beiden Fächertypen Waffen für die persönliche Selbstverteidigung. Diese konnten dann auch von Frauen und normalen Bürgern benutzt werden und waren nicht nur ausschließliche Kriegerwaffen, wie Schwerter und Speere.

     Im frühen Mittelalter, als die Krieger in der Schlacht noch keine uniformierten Ausrüstungen benutzten, unterschied man die einzelnen Rangstufen innerhalb eines Heeres durch das tragen weniger, wichtiger Statussymbole. Generäle und Heerführer konnten sich durch die Zierrate und den Aufwand ihrer Schwertscheiden mit kostbaren Raubtierfellen, spezieller Bögen oder Rüstungen von den übrigen normalen Kriegern unterscheiden. Eines der ältesten Insignien dieser Art in Form eines Fächers war ein Kommandeurstab für Feldherren - der Saihai. Dieser Stab, aus Holz oder Metall, diente der Truppenregulierung und als Kommandozeichen im Feld. Zu diesem Zweck brachte man an der Spitze des Saihai eine dicke Quaste aus Leder, Stoff oder sogar Papier an, was dem Instrument das Aussehen eines überdimensionalen Fliegenwedels gab.

     Die ersten Formen des Uchiwa ( Blattfächer ) löste in der Kamakura- und Muromachi zeit dann in ihrer Funktion als Kommandozeichen den Saihai ab. Der Fächertyp, den man darauf im Krieg verwendete, nannte sich Gunbai Uchiwa ( Kriegsfächer ) mit einem Blatt aus Holz und Leder, welches teilweise noch mit Metall verstärkt wurde. Von diesem Fächer gibt es zwei überlieferte Varianten. Erster fungierte wie gesagt als Ablösung für genannten Saihai während die andere Hypothese diesen Fächer als Beschwörungsinstrument und Glücksbringer im Krieg vermutet.
     Die Bushi waren nicht alle Anhänger des praxisbezogenen Zen Buddhismus sondern nutzten die Vorteile verschiedener Religionszweige gleichzeitig. Im Krieg, wo das Leben oft nur in Bruchteilen von Sekunden entschieden wurde, suchten Menschen all zu oft Halt im Übersinnlichen. Und so ist es nicht verwunderlich, daß die Bushi neben Realitätsbewußtsein und Kaltblütigkeit auch Zuflucht zu mystischen und okkulten Beschwörungspraktiken suchten vor allem in den esoterischen buddhistischen Schulen wie Shingon und Tendai, bei denen Praktiken wie Juho (Zaubersprüche und Gesänge) und Hojutsu ( magische Praktiken). Eine beliebte Art dieser Magie beruhte auf der Anwendung des Kuji kiri ( "Einschneiden der neun Silben" ) zum Herbeiführen von Erfolg und Glück in der Schlacht. Hierfür werden in einer bestimmten Reihenfolge neun Linien in einer Art Gitter auf eine Waffe oder die Hand aufgemalt, eingeritzt oder einfach nur mit dem Finger gezogen und danach das Juji, das zehnte Zeichen, in die Mitte gesetzt; hierfür war ein ganzes Repertoire von Schriftzeichen je nach Verwendungszweck bekannt. Für die magische Anwendung des Gunbai-Uchiwa (Gunbai-Heiho genannt) brachte man auf einer Seite des Gunbai die Sanskritzeichen Ban und Aku an, welche Dainichi Nyorai (den Hauptbuddha des Shingon), das Taizokai und das Kongokai (die beiden Welten des Shingon) symbolisieren und verlieh dem Fächer somit eine Art Weihe. Auf der Rückseite zeichnete man das Sternbild des großen Bären, welcher im Japanischen Hagunsei, der allmächtige Kriegsstern, genannt wurde. Er galt als Segensbringer der Bushi, quasi als Glücksstern. In einem Schema von 24 quadratischen Feldern zeichnete nun der Krieger persönliche Daten ein, wie etwa das Datum des bevorstehenden Kampfes und führte den Fächer während der kommenden Schlacht in seinem Gürtel mit. (nach Überlieferungen der Katori Shinto Ryu).

     Dieser Gunbai war aber nur führenden Adligen, wie Generälen oder Heerführern vorbehalten. Wenn man dieses Instrument jedoch objektiv betrachtet scheint er weder ausschließlich ein Beschwörungsinstrument oder ein reiner Kommandostab gewesen zu sein. Sicherlich erfüllte er beide Funktionen in einem und konnte durch seinen stabilen Körper aus Holz und Metall zur Not auch als Verteidigungsgerät genutzt werden.
     So wird in Japan heute noch eine Geschichte überliefert, in der von einem Duell zweier großer Fürsten berichtet wird und in der ein Gunbai die Hauptrolle spielt. Aus den legendären Kriegen der beiden großen Rivalen Takeda Shingen (1521 - 1573) und Uesugi Kenshin (1530 - 1578) berichtet man folgende Geschichte:

     Beide Krieger gehörten zu den berühmtesten Fürsten der Muromachi-Ära und lieferten sich über Jahrzehnte eine Unzahl von Kämpfen und Schlachten. Bei der legendären 4. Schlacht von Kawanakajima (1561), auf einem Plateau zwischen den Flüssen Saigawa und Chikumagawa, führte Fürst Takeda von einem strategisch erhöhten Punkt aus die Leitung seines Clans. Auf einem Hocker sitzend, nur von einigen, wenigen Leuten seiner persönlichen Leibwache (Tsukai ban) umgeben, überblickte er das Schlachtfeld und koordinierte von dort die Bewegung seiner Truppen. In diesem Augenblick tauchte unerwartet eine kleinere Gruppe feindlicher Kavallerie bei ihrem Kommandoposten auf - geführt von Fürst Uesugi persönlich. Ehe noch Takeda Shingens Leibgarde eingreifen konnte um ihren Herren wirksam zu beschützen wurde dieser von Uesugi Kenshin mit einem Schwert angegriffen. Der Überlieferung nach sollte es diesem gelungen sein Takeda mehrere mal zu attackieren. "Der Berg bewegt sich nicht" , eigentlich ein Wahlspruch Shingens für seine Politik, wurde hier eher praktisch demonstriert, da deser auf seinem Platz sitzen blieb, statt sich in Sicherheit zu bringen. Sieben Schwerthiebe konnte er mit seinem Gunbai abwehren, in drei Fällen schützte die Rüstung sein Leben. Erst dann gelang es Takedas Leuten wieder Herr der Lage zu werden und die feindlichen Reiter zu vertreiben.

     Die zweite Form des Kampffächers kam in der Muromachi-Epoche auf - es war der bekanntere Tessen (Eisenfächer). Dieser Faltfächer wurde im Gegensatz zu seinem zivilen Verwandten speziell aus Eisenlamellen (komplett oder nur Außenrippen) oder aus mit Metall verstärktem Holz gefertigt. Dieser, zumeist aus 8 oder 10 stählernen Rippen bestehende Grundkörper, erreichte je nach Fertigung ein Gewicht bis zu 1 kg. Für das Fächerblatt verwendete man Gewebe oder gelacktes Papier um es so stabiler und unempfindlich gegen Feuchtigkeit und Schmutz zu machen. Dieser Tessen unterschied sich im Aussehen fast kaum von einem normalen Fächer und war so als Waffe nicht auf den ersten Augenblick zu erkennen. Er konnte also bei allen bestimmten öffentlichen Anlässen, wo das Führen von Schwertern untersagt war, problemlos getragen werden.
     Für diese Waffe kannte man ähnlich wie bei Schwertern im Iai / Batto jutsu eine Form des Drapierens im Gürtel, die einen schnellen Zugriff und sofortigen Einsatz erlaubte. Der Tessen wurde identisch einem Tanto oder Kodachi getragen und von seinem Träger ebenso wie diese scharfen Waffen mit Respekt behandelt.
     Von der Musterung hielt man diese Fächer meist einfarbig mit nüchternen Symbolen. Schwarz, Weiß und Gold waren bevorzugte Farbgebungen und das rote Sonnenzeichen zierte Vorder-, Mond und Sterne die Rückseite des Tessen. Bei den speziell für das Schlachtfeld gefertigten Fächern versinnbildlichten diese Symbole Tag und Nacht - Angriff und Rückzug. Somit unterstützten diese Farben noch optisch die Kommandosprache, was bei den älteren Formen, Saihai und Gunbai, nicht dermaßen  deutlich der Fall war.
     Andere zivilere Formen wurden meist nur mit dem Wappen ( Mon ) des Trägers oder einer Kalligraphie geschmückt.
     Zusammengefaltet ließ sich der Tessen ähnlich einem kurzen Stock als Waffe zu gebrauchen und hatte so als Schlag- und Stoßwaffe eine nicht zu unterschätzende Wirkung. So war er effektiv zum blocken und ableiten von Angriffen und konnte zum Stoßen, Schlagen oder dem schmerzvollen Niederhalten eines Gegners durch spezielle Griffe und Hebel genutzt werden. Ähnlich dem Einsatz von kurzen Stöcken in einigen Ju jutsu Schulen konnten so konzentriert Schmerz- und Schwachpunkte des menschlichen Körpers (Atemi) fixiert bzw. attackiert werden.
     Einige der bekanntesten Schulen, die den Umgang mit dem Fächer als Waffe unterrichteten waren die Kiraku-, Shinkage, Takenouchi- und die Ikkaku ryu.
     Während man in der Ikkaku ryu den Tessen in Kombination mit dem Jitte übte (im Ernstfall auch mit Kodachi oder Tanto) und sich so vor allem auf Schlagtechniken zum Handgelenk oder Kopf konzentrierte, legte man z.B. in der Kiraku ryu mehr auf die Unterstützung des Tessen bei Ju jutsu Techniken wert. Hier diente der Fächer vornehmlich als Abwehrinstrument gegen Klingenwaffen und wurde im Nahkampf neben seiner Rolle als Waffe auch als Eingangsmöglichkeit für die folgenden Techniken angesehen.

Archiv :

[Inhaltsverzeichnis]

Dezember 06
September 06
August 06
Juli 06
Juni 06
Mai 06
April 06
März 06
Februar 06
Januar 06
2005
2004
2003
Urspr.Takama
Hojo jutsu