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Hojo jutsu

 Hojo jutsu /Kunst der Fesselung


 Sieht man von den humanen Inhalten und den spirituellen Hintergründen der Kriegskünste ab, dann kann man ihre Bestimmung auf einen ganz spezifischen Grund reduzieren - die Tötung eines Gegners. Stechen, schneiden, würgen, schlagen - die Techniken waren vielfältig. Doch manchmal war es nötig einen Feind nicht auszuschalten, sondern ihn lebend gefangen zu nehmen um eventuell Informationen zu bekommen.
     Für einen solchen Fall war das Schwert oder der Speer recht ungeeignet. Waffenloser Nahkampf und Fesselungstechniken waren hingegen angebracht um einen Gegner zu überwinden und dingfest zu machen. Diese Techniken wurden in Japan in Form einer eigenen Kunst geübt.
     Ende der Muromachi-Epoche und Anfang der Tokugawa-Zeit übernahm man die primitiven Techniken des Schlachtfeldes für den zivilen Bereich und perfektionierte sie. Neben Sicherheitskräften und Rechtsbeamten waren Fesselungstechniken vor allem für Wachpersonal und Personen im Vollzugsdienst interessant. Man glich die bekannten Formen den Bedürfnissen der neuen Bereiche an und etablierte somit eine eigene Kriegskunst - Hojo jutsu.

     Hojo jutsu oder Torinawa (Ho, Tori - greifen, fangen / Jo, Nawa - Seil ) gilt in Japan als die Kampfkunst, die sich mit der Bindung und Fesselung eines Gegners beschäftigt. Zahlreiche Schulen beinhalteten sie als Bestandteil ihrer Ausbildung, so die Kurama ryu, Takenouchi ryu, Ittatsu ryu.

     In der japanische Kultur spielten Respekt, Status und Rang eine größere Rolle als etwa in Europa zu vergleichbaren Zeiten. Ein Gegner war nicht nur hassenswerter Feind sondern auch ein würdiger Gegenspieler im Spiel um Leben und Tod. So beeinflußte diese Punkte auch maßgeblich die Kunst des Hojo jutsu. Die Formen der Bindung sind so nicht nur praktisch sondern auch ästhetisch und zeugen vom Respekt gegenüber dem Gegner und der hohen Kunstfertigkeit des Kriegers. Im Hojo jutsu ging es nicht nur darum einen überwältigten Feind in dekorativer Weise zu fesseln.

     Die Regeln dieser Kunst waren streng reglementiert. Für jede Art von gesellschaftlicher Stufe, Geschlecht und sogar für spezielle Berufsgruppen wurden verschiedene Techniken und Knoten entwickelt. So war die Art einen buddhistischen Mönch zu binden völlig unterschiedlich von der Fesselungstechnik eines shintoistischen Priesters, eines Zivilisten, Fußsoldaten oder gar Samurai.
     Diese unterschiedlichen Versionen beruhten auf den verschiedenen Kleidung der Stände, welche bestimmte Arten von Fesselungstechniken beeinflußten. Trug die betreffende Person einen Kimono oder eine Rüstung, mußte man beim Binden im Gürtel getragene Waffen oder Werkzeuge berücksichtigen, waren bei bestimmten Berufszweigen Arme oder andere Körperteile durch Kleidung verdeckt oder nackt, etc. Ebenso waren die anatomischen Unterschiede zwischen Mann und Frau zu bedenken. Ein ebenso bedeutender Faktor war die Erfahrung des zu fesselnden Gegners. Eine Frau bedurfte sicher nicht einer solch harten Fesselung wie ein erfahrener Krieger, der an einer Flucht gehindert werden mußte.

     Allerdings muß man sich vor Augen führen, daß die dekorativen Bindungstechniken nur den Abschluß einer Reihe von Handlungen bildeten, die zum Überwältigen eines Kontrahenten führte. Ju jutsu, Kumi uchi, Yawara oder Torite bildeten die Grundlage einen Gegner nieder zu ringen und unter Kontrolle zu halten. In Verbindung mit Klein- oder Stockwaffen konnte man ihn entwaffnen und mit Hilfe von Würgen oder Hebeln am Boden halten, während man gleichzeitig, oder durch einen Mitstreiter, die Fesselung vornahm. Dieses Verfahren erforderte ein hohes technisches Niveau in den Kriegskünsten sowie Erfahrungen im waffenlosen Kampf. Der Faktor Geschwindigkeit und Timing spielte eine große Rolle im Hojo jutsu, da die Niederhaltung eines sich wehrenden Gegners nur für kurze Zeit aufrechterhalten werden konnte.

     Technik und Material

     Die Art der Bindung erfolgte fast ausschließlich auf dem Rücken des Opfers, wobei üblicherweise die Arme justiert wurden. In den meisten Formen unterstützte eine Halsschlinge die Bindung, was zusätzlich die Blockierung der gefesselten Arme unterstützte. Sollte das Opfer in einem solchen Fall eine Fluchtbewegung versuchen würde es sich selbst strangulieren. Natürlich war die Bewegungsunfähigkeit des Gefangenen primäres Ziel des Hojo jutsu. Neben dieser Funktion beinhalteten die Techniken jedoch auch eine Stimulierung von Nervenpunkten durch Knoten und Seilzüge, Druck auf Gelenke oder die beschriebene Strangulierung über die Halsschlagader, die die Kontrolle über den Gefangenen erleichterte .
     Die im Hojo jutsu benutzten Schnüre (Nawa) sind je nach Schule und System recht unterschiedlich in Länge und Ausführung. So schwanken die Maße zwischen 1 und 7 Metern, an einer Seite mit einer Schlaufe oder Metallring (Yakuguchi) versehen. Gebräuchlich waren meist Seile von mehreren Metern Länge, um die komplizierten Schnürungen durchführen zu können. Im Feld und auf Kriegszügen, also nicht bei speziell dafür vorbereiteten Justizbeamten, griffen die Samurai häufig auch auf andere Arten von Bindungen zurück. Seile gehören zwar zur Ausrüstung der Krieger, um im Feldlager Pferde und Gepäck zu sichern, Unterstände zu errichten, als Kletterhilfe usw. Auf dem Schlachtfeld, wenn ein Gefangener gemacht werden sollte, konnte es jedoch dazu kommen, daß ein solches Seil nicht greifbar war. Als Alternative nutzte man alles was sich binden ließ und in direkter Reichweite war. Hier konnte der Obi (traditioneller Stoffgürtel) des Opfers, das Sageo des Schwertes, das Zaumzeug eines getöteten Pferdes oder die Haltebänder der gegnerischen Rüstung zum Einsatz kommen um einen Gefangenen unter Kontrolle zu halten.

     Neben der Länge spielte auch das Material der Schnur eine Rolle. Seile aus Hanf oder Leinen eignen sich vorzüglich um Knoten zu halten und schneiden sich bei Fluchtversuchen in die Haut des Gefesselten. Seide hat hingegen die Eigenschaft schlüpfriger zu sein und auch nicht so gut die Festigkeit seiner Knoten zu gewährleisten. Einige der Hojo jutsu Methoden waren eher Wickeltechniken als geknotete Bindungen, wobei die Verbindung der einzelnen Schlingen und die Kontrolle des Kriegers über die freien Enden des Seils den festen Sitz der Fesselung garantierte. Besonders hier wären die rutschigen Seidenschnüre unvorteilhaft gewesen.

     Einige Quellen sprechen auch von der Verwendung farbiger Seile in historischen Zeiten. Speziell in der Tokugawa-Periode sind von Polizeieinheiten unterschiedlich farbige Schnüre benutzt worden.
     Vier Farben spielten im Hojo jutsu eine Rolle. Weiß - zur Fesselung von gewöhnlichen Kriminellen, Blau - zum Sichern von gefährlichen Straftätern, Violett - bei hochrangigen Samurai und Schwarz - bei Kriegern der unteren Ränge. Die Auslegung der Farben änderte sich mit den Zeiten und am Ende der Tokugawa-Ära waren nur noch die Farben blau und weiß in Verwendung.
     Die Bedeutung der Farben soll auf die traditionelle, chinesischen Farbenlehre  mit ihrer Zuordnung auf die Himmelsrichtungen und ihre heiligen Wächter zurückgehen. Dabei entspricht Schwarz dem Norden mit der schwarzen Schildkröte als Symbol, Blau dem Osten mit dem blauen Drachen, Rot dem Süden mit dem roten Phönix und Weiß dem Westen mit dem Wächtertier eines weißen Tigers.

     Unabhängig welcher Schule der Krieger auch angehörte und welchen Grad der Ausbildung er innehatte - Hojo jutsu folgte stets 4 hauptsächlichen Regeln:

     1)   Dem Gefangenen darf kein Entkommen aus seinen Fesseln gelingen.

     Dieser Punkt ist außer Frage der praktische Teil der Regeln. Er besagt, daß jede Bindung so effektiv sein muß, daß dem Gefangenen keine Chance gegeben wird seine Fesseln zu entschlüpfen.

     2)   Dem Gefangenen dürfen keine physischen oder psychischen Schäden zugefügt werden.

     Hojo jutsu ist die Kunst des Fesselns und nicht der Folter! Ziel war es nicht den Gegner zu quälen sondern ruhig zu stellen. Im Allgemeinen galt unter traditionellen Kriegern eine Art Ehrenkodex, nach dem man selbst starke Feinde für ihre Leistung in Strategie oder Kampf achtete und ihnen selbst bei Gefangennahme die Ehre nicht versagte. Krieger handeln aus anderen Beweggründen als Henker oder Folterknechte. 

     3)   Kein Uneingeweihter darf die Techniken kennen.

     Die Geheimhaltung der Techniken einer Schule hat keinen verschwörerischen Hintergrund. Die Gründe sind eher praktischer Natur. Jede Kenntnis der Geheimnisse einer Schule ermöglichte es Außenstehenden Gegentechniken zu entwickeln oder die Schwachpunkte zu finden. Dies gilt für das Hojo jutsu ebenso wie für die waffenlosen Künste oder den Schwertkampf. Im Hojo jutsu führte es sogar dazu, daß Strafgefangenen, die über die einzelnen Provinzgrenzen transportiert wurden, vor den Grenzpunkten die Fesseln abgenommen worden. So konnten die Beamten der benachbarten Provinzen keine Rückschlüsse auf die Techniken der eigenen Systeme oder Ryu ziehen (meist waren bestimmte Schulen auf lokale Gebiete beschränkt).

     4)   Die Bindungen sollten den Regeln entsprechen und ästhetisch aussehen.



     Dies betrifft nicht nur die optische Seite der Kunst. Gutes Aussehen bedeutet im Hojo jutsu auch korrekte Ausführung der Fesselung und damit verbunden eine effektive Technik. Wie bereits weiter oben beschrieben, war auch die zu sichernde Person bei der Wahl der Bindung zu berücksichtigen. Selbst ein Gefangener war noch ein Mitglied der Gesellschaft und somit Teil des historischen Ständesystems. Dem entsprechend mußte z.B. ein Angehöriger des Samurai-Standes auch als solcher behandelt werden und ein "gepflegtes Erscheinungsbild" gehörte nun einmal dazu...

     Ittatsu ryu

     Unter den Schulen, welche Hojo jutsu in Ihre System integrierten, soll hier die von Matsuzaki Kinzaemon gegründete Ittatsu ryu aus dem 17. Jhdt. Beispiel sein. Die Ryu ist Bestandteil der Shindo muso ryu, und war über Generationen Bestandteil der Ausbildung des Kuroda-Clans in Kyushu. Die Ittatsu ryu benutzt ein Seil von 5m Länge mit einem Durchmesser von ca. 4 mm.
     Speziell die Sicherheitskräfte und Krieger der Familie Kuroda wurden in diesem System in der Fesselung und Sicherstellung von Gefangenen unterwiesen, was in Form von 25 Kata überliefert wurde. Diese Methoden wurden in 3 Stufen eingeteilt und sind wie folgt beschrieben:

     Ge (untere Stufe)

     Ichimonji haya nawa
     Hagai tsuke haya nawa
     Hitoe hishi nawa
     Shin hagai tsuke nawa
     Ya hazu nawa
     Sumi chigai nawa
     Shin tombo nawa
     Happo karami nawa
     Yagura hishi nawa

     Chu (mittlere Stufe)

     Hishi haya nawa
     Hishi nawa
     Jumonji nawa
     Bajo hagai tsuke nawa
     Tombo nawa
     Shin futae hishi nawa
     Shin kiko nawa
     Yagura hishi nawa

     Jo (obere Stufe)

     Jumonji haya nawa
     Jumonji nawa
     Futae hishi nawa
     Kiko nawa
     Age maki nawa
     Shin hagai tsuke nawa
     Munawari hitoe hishi nawa
     Kiri na

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