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Juli 2006

Jutte und Hachi wari
(eine, dem Sai ähnliche Waffe).


Eine der typischsten japanischen Waffen des Mittelalters, wie sie nur dort verwendet wurde, war der Jutte (oder Jitte). Für seinen Namen gibt es keine genaue Übersetzung in die deutsche Sprache, Parierstab, Polizeiknüppel oder Schwertbrecher wären nur unzureichende Bezeichnungen. Wörtlich wiedergegeben hieße Jutte "Zehn Hände", womit die Japaner meinen "mit der Kraft von zehn Männern kämpfen" oder besser noch "gegen zehn Männer kämpfen". Diese Parierwaffe tauchte in ihrer uns heute bekannten Form im 16. Jhdt. in Japan auf, und zwar als Entwicklung zweier älterer Formen, dem Uchi harai jutte und dem Hachi wari. Beides waren Abwehrinstrumente, welche schon Anfang des 15. Jhdt. verbreitet waren. Der modernere Jutte stellte eine Symbiose beider dar, indem er die Vorteile beider Waffen verband.
Der lange Uchi harai jutte (Schlag und Block Jutte) glich eher einer Peitsche in seiner Form. Aus Holz in Schwertlänge gefertigt war er mehr ein Selbstverteidigungs-Instrument als eine reale Kriegswaffe. Mit einer metallenen Abfanggabel versehen, konnte man ihn hervorragend zum ableiten von Angriffen und selbst auch zum Schlagen benutzen. Nach seiner Gesamtlänge und der Griffart zu schließen schien man ihn sowohl ein- als auch zweihändig eingesetzt zu haben. Seine Funktion könnte man vielleicht mit den Spazierstöcken der europäischen Herren des 18. Und 19. Jhdt. vergleichen, welche in gewissem Maße auch Waffencharakter besaßen - man denke nur an die Variante der Stockdegens. Und so führten auch die Japaner den Uchi harai jutte wie ein Schwert in einer Scheide im Gürtel getragen, wodurch er vor allem bei Kaufleuten und Städtern sehr beliebt war. Nach mittelalterlichem Standesrecht war ihnen das Tragen von scharfen Waffen verboten.
Der zweite Ahne des Jutte war der bereits erwähnte Hachi wari, (Kopfbrecher). Diese kurzschwertartige Waffe wurde mit einer gebogenen, stumpfen Klinge versehen, welche lediglich eine Spitze besaß. Anstatt der üblichen Parierstange stattete man ihn mit einem von der Klinge ausgehenden Dorn aus. Dieser übernahm im Ernstfall jedoch weitestgehend die Aufgaben als Blockinstrument und wird deshalb auch unter den Parierwaffen klassifiziert.
Ein gewöhnlich weiter verbreiteter Name des Hachi wari war Kabuto wari (Helmbrecher). Allerdings sind beide Übersetzungen etwas irreführend. Für die Bushi war diese Waffe eher ein reines Selbstverteidigungs- oder Nahkampfgerät ähnlich den Mete zashi oder Yoroi doshi Dolchen in Verbindung mit Techniken des waffenlosen Kampfes. Man nimmt an, das der Hachi wari als Hebel- und Stichwaffe an der gegnerischen Rüstung eingesetzt wurde und wohl durch diese Eigenschaft seinen etwas eigentümlichen Namen erhielt. Angeblich soll er von Kusonoki Masanori (gest. 1390) entwickelt worden sein und seine Beherrschung galt unter den Kriegern als geachtete Fähigkeit. Der Vater des legendären Schwertmeisters Miyamoto Musashi, Munisai soll ein Experte im Umgang mit dem Hachi wari gewesen sein. Seine Kunst im "Kopfbrechen" war zu seiner Zeit so berühmt, daß er sie sogar vor dem damaligen Shogun Ashikaga Yoshiaki, dem weltlichen Herrscher Japans, in Schaukämpfen demonstrieren durfte und dafür hoch geehrt wurde.

                                                                                

Der neu entwickelte Jutte wurde von den Bushi zwar nicht im konventionellen Sinne benutzt, zählt aber ebenso wie Kampffächer oder Sichel zu den klassischen Waffen Japans. Die ersten bekannten Arten des Jutte waren herkömmliche Dolche (Tanto) mit Scheide (Saya) und den bekannten scharfen Klingen. Neben dem Handschutz (Tsuba) versah man diese Dolche mit einer externen Parierstange parallel zur Klinge. Mit ihr war man in der Lage, abgefangene Schwertklingen durch eine Eigendrehung oder Verkantung der Waffe zu blockieren und sie so unter Kontrolle zu halten. Später, ab dem 17. Jhdt. ersetzte man die scharfe Dolchklinge durch einen massiven Eisenstab mit rundem oder mehrkantigem Querschnitt und kürzte die Spitze zu einem Stumpf. So verlor der Jitte zwar etwas an Gefährlichkeit aber die beabsichtigten Schutz- und Abwehrfunktionen blieben erhalten. Außerdem konnte man zur Unterstützung der Technik nun auch den vorderen Teil der Waffe mit der Hand greifen, was wiederum zu einer flexibleren Auswahl an Anwendungsformen führte, welche mit einer scharfen Klinge derart nicht möglich wären. Diese Form war im Kampf sicher auch nicht so anfällig auf Bruch und Ausplatzungen wie ihre Vorgänger mit den flachen Klingen. Mit diesen Eigenschaften erfüllte diese neue Waffe ihren Zweck, ebenso wie Kette und Stock, hervorragend im Bereich von Wachpersonal und Polizei zur unblutigen Überwältigung von bewaffneten Störenfrieden. Sie verband die Vorteile der Pariergabel des alten Uchi harai jutte mit der Handlichkeit und Massivität der Hachi wari. Diese erstklassige Parierwaffe wurde später mit einem runden Griff statt den vorherigen normalen Dolchgriff und einer Leder- oder Kordelwicklung versehen. Sie besaß nun auch keine Saya mehr und wurde einfach in den Obi (Gürtel) gesteckt oder an einer Schnur oder Ring getragen. Längen und Gewicht der Waffe waren sehr individuell (bis 50 cm) ebenso die schon beschriebenen Formen. Es soll über 200 verschiedene Varianten geben, welche sich jeweils von Schule zu Schule unterschieden. Eine dicke Stoffquaste, welche man am Griffende anbrachte tarnte zusätzlich die Bewegungen des Jutte bei seinem Einsatz. Durch ihr herumwirbeln und pendeln erschwerte sie dem Gegner die Waffe genau zu fixieren und so Techniken und Bewegung einzuschätzen.

.....andere Polizeiwaffen:

In der Muromachiepoche (bis 1573) wurde oft die Mitsu dogu (3 spezielle Lanzen) als typische Waffe von Polizei und Sicherheitskräften erwähnt. Anfang des 17. Jhdt. verdrängte der Jutte jedoch diese Langwaffen und bereits Ende des Jahrhunderts ging er endgültig in den Besitz der Polizeieinheiten über und wurde schließlich deren Symbol und Markenzeichen in der Tokugawazeit. Dort blieb er bis ins 19. Jhdt. als Hauptwaffe der Behörden im Gebrauch. Für die mittelalterliche Polizeitruppe hatte der Jutte neben seiner Art als Waffe aber auch eine andere bedeutende Rolle. Das klassische japanische Rangsystem grenzt sich vor allem durch offiziell getragen Statussymbole ab. Einfache Polizeibeamte gehörten jedoch nicht der Klasse des herrschenden Schwertadels (Buke) wie die Bushi an, sondern rekrutierten sich aus dem Stand der Städter (Heimin). Nach den Bauern der dritte, und vor den Unwürdigen (Eta oder Hinin) der vorletzte Status im japanischen Staatssystem. Um diesen Beamten trotz allem eine gehobene Stellung innerhalb aller Klasse zu geben, wurden komplizierte Regeln geschaffen. Einzig die Yoriki (Polizeivorsteher), gehörten dem untersten Samurairang an und trugen dementsprechend die Tracht mit den weiten Hakama (Hosen) und dem dazugehörigen Überkimono (Haori). Wie alle Bushi hatten sie das Recht auf zwei Schwerter (Daisho) als äußeres Statussymbol. Jeder Yoriki hatte ein ihm unterstelltes Stadtviertel (Machi), für dessen Ordnung er persönlich verantwortlich war. Ihm oblag die Gerichtsbarkeit und der Frieden seines Bezirkes. Als Vorsteher hatte er aber mehr leitende Aufgaben und befehligte so die eigentlichen Gesetzeshüter. Doshin (Beamte), unterstanden den Yoriki und bildeten sich aus der normalen Stadtbevölkerung. Sie erledigten die "schmutzigere" Polizeiarbeit wie Festnahmen und Wachgänge durch die zugewiesenen Reviere. Allein Bestrafungen und Exekutionen führten die außenstehenden Hinin aus(Todesstrafe - ein im alten Japan ziemlich oft ausgesprochenes Urteil - sogar Japanreisende im letzten Jhdt. beklagten die schnelle Verurteilung für selbst kleine Vergehen mit dem Tode / z.B. F. Beato). Als Rangabzeichen erlaubte man den Doshin das zeitweise Tragen eines einzelnen Schwertes zu feierlichen Anlässen, ebenso wie Ärzten und Vorstehern besonderer Ämter. Der Hakama als Kleidungsstück war ihnen jedoch verboten. Dafür zeichnete sie der öffentlich getragene Jutte als Beamte aus und erhob sie so über das gemeine Volk. Da ein Rangsystem innerhalb des Polizeiapparates nach Abzeichen oder Orden in Japan nicht bekannt war, unterschieden sich die Beamten durch die Farbe der bereits oben beschriebenen Quasten an ihrem Jutte. Diese änderte sich zwar geringfügig von Zeit zu Zeit und auch regional, man kann aber sagen, das die Farben in aufsteigender Form folgende Bedeutung hatten: Schwarz für einfache Polizisten, dann Rot, und für die höheren Ränge Purpur oder Violett. In der Tokugawazeit gehörte der Jutte neben Kusari (Kette), Nawa (Seil) und dem 6 Shaku langen Stock (Roku shaku bo) zur Standardausrüstung der bewaffneten Polizeieinheiten.Die Langwaffen Sode garami (Ärmelgreifer - eine mit Dornen versehene Hakenwaffe), Sasumata (die Variante einer eisernen Klaue ) und der Tsuku bo (Stoßstock - T-förmige Langwaffe), vormals Hauptwaffen der Polizei in der Muromachizeit wurden in der friedlicheren Tokugawaperiode durch die neuen Waffen vollkommen abgelöst.
Es soll unter vornehmen Damen der großen Städte wie Edo oder Kyoto sogar als Modeartikel üblich gewesen sein, einen Jutte in kleiner Ausführung zu tragen.

                          

Die Aktionen des Jutte sind eine Vermischung von Stock- und Schwerttechniken. Man konnte mit ihm schlagen und stechen ohne einen Gegner töten zu müssen und war sogar in der Lage die extrem scharfen Schwertklingen von Kriegern zu parieren. Sein Einsatz glich eher dem eines eisernen Schlagstockes als einer Stichwaffe. Durch seine Länge und Gewicht konnte man ihn schneller und flexibler handhaben als die längeren Schwerter. Neben der Funktion des Klingenfangens durch die Parierstangen ließen sich diese genauso gut zum Niederhalten eines Angreifers in Form eines Haken verwenden. In die Kleidung gefahren konnte man mit ihm Arme oder Hände hebeln und dem Aggressor so Schmerzen zufügen ohne ihn ernsthaft zu verletzen ( eventuell war es für die Karriere eines Doshin nicht sehr vorteilhaft einen betrunkenen Krieger im Handgemenge zu töten ). Die Festsetzung von Delinquenten erfolgte jedoch stets in Verbindung mehrerer Beamter unter Zuhilfenahme verschiedener Geräte, wie Stöcke, Lanzen und Seile. So spielte der Jutte vor allem als persönliches Selbstverteidigungs-Instrument eine Rolle und nicht als offensive Waffe.

Die Ikkaku ryu, ein Kampfsystem gegründet von Matsuzaki Kinzaemon beinhaltet den Umgang mit dem Jutte. Hier verwendet man eine Waffe von 45,5 cm Länge und einem Gewicht von über einem halben Kilo. Seine Grundform ist ein 6-kantiger Eisenstab - bei Schlägen mit der Waffe verringert man so die auftreffende Fläche, was die Wirkung des Treffers deutlich erhöht. Desweiteren wurde die Abfanggabel des Jutte auf der Innenseite geschärft, was ermöglichte, das Instrument im Nahkampf auch als Schnittwaffe einzusetzen. In der Ikkaku ryu wird der Umgang mit dem Jutte in jeweils 12 Omote und Ura Kata überliefert. Dabei spielt auch die Kombination von Jutte und dem Einsatz eines Metallfächers (Tessen) als Abwehr und Angriffswaffe eine Rolle.

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